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Ashwagandha, Magnesium und Cortisol: Was Supplemente leisten und was nicht

Von Laurenz KochAktualisiert am 31. Oktober 20269 Min. Lesezeit

Ashwagandha ist das bekannteste „Cortisol-Supplement“, Magnesium das beliebteste „Anti-Stress-Mineral“. Beide werden mit großen Versprechen verkauft. Dieser Ratgeber ordnet nüchtern ein, was die Studien zeigen, wo die Grenzen liegen und welche Risiken du kennen solltest, bevor du Geld ausgibst. Kurz vorweg: Es gibt keine Kapsel, die deinen Rhythmus repariert. Aber es gibt Situationen, in denen eine Ergänzung sinnvoll sein kann.

Wichtig: Dieser Ratgeber ist keine Empfehlung zur Einnahme. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ausgewogene Ernährung und können Wechselwirkungen haben. Kläre die Einnahme ärztlich oder in der Apotheke ab, besonders bei Vorerkrankungen, Medikamenten, Schwangerschaft und Stillzeit.

Ashwagandha: was die Studien zeigen

Kurz gesagt

Ashwagandha hat unter den pflanzlichen Mitteln die interessanteste Datenlage. Mehrere Auswertungen randomisierter Studien fanden niedrigere Cortisolwerte gegenüber Placebo. Beim subjektiv empfundenen Stress waren die Ergebnisse aber uneinheitlich, die Studien sind oft klein, kurz und teils von Herstellern finanziert. Und es gibt Risiken, die selten auf der Packung stehen.

Ashwagandha, botanisch Withania somnifera, stammt aus der ayurvedischen Tradition und wird als sogenanntes Adaptogen vermarktet, also als Mittel, das dem Körper bei der Anpassung an Stress helfen soll. In einer randomisierten Studie von Adrian Lopresti und Kollegen aus dem Jahr 2019 lagen die morgendlichen Cortisolwerte nach acht Wochen Ashwagandha-Extrakt niedriger als unter Placebo. Eine Übersichtsarbeit von 2022 fasste mehrere solcher Studien zusammen und fand insgesamt positive Effekte auf Stress- und Angstwerte. Neuere Auswertungen aus den Jahren 2024 und 2025, auf die das Buch eingeht, bestätigen die Senkung der Laborwerte, kommen beim empfundenen Stress aber zu widersprüchlichen Ergebnissen: Eine fand eine deutliche Verbesserung, eine andere keinen bedeutsamen Unterschied.

Daraus folgt der wichtigste Punkt dieses Abschnitts: Ein gesenkter Laborwert ist nicht automatisch ein besseres Leben. Du willst nicht einen Wert verändern, du willst dich anders fühlen und besser schlafen. Das ist keine Kritik an der Pflanze, sondern ein grundsätzlicher Punkt. Und es erinnert daran, dass es bei Cortisol nicht ums pauschale Senken geht, sondern um den Rhythmus. Wer eine flache Kurve hat und morgens nicht hochkommt, braucht nicht weniger Cortisol, sondern einen klareren Morgen. Wie die Kurve aussehen sollte, erklärt der Ratgeber Cortisol-Tagesrhythmus.

Die Risiken von Ashwagandha

Ashwagandha ist nicht harmlos, nur weil es pflanzlich ist. Diese Punkte solltest du kennen:

  • Leber: Es gibt Berichte über Leberschäden in Einzelfällen, teils mit Gelbsucht. Die US-Datenbank LiverTox der National Institutes of Health führt Ashwagandha als mögliche Ursache. Bei Anzeichen wie dunklem Urin, gelblicher Haut oder ungewöhnlicher Müdigkeit sofort absetzen und ärztlich abklären.
  • Schilddrüse: Ashwagandha kann Schilddrüsenwerte beeinflussen. Bei Schilddrüsenerkrankungen oder Einnahme von Schilddrüsenhormonen nur nach ärztlicher Rücksprache.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: nicht einnehmen. In der Schwangerschaft steigt Cortisol ohnehin physiologisch an, und das ist für die Entwicklung des Kindes wichtig. Nichts, was auf Senken zielt, gehört in diese Phase.
  • Wechselwirkungen: mit Beruhigungsmitteln, Blutzucker- und Blutdruckmedikamenten sowie Immunsuppressiva möglich.
  • Qualität: Die Präparate unterscheiden sich stark in Extraktart, Dosierung und Reinheit. Was in einer Studie getestet wurde, ist nicht automatisch das, was du kaufst.

Wenn du Ashwagandha nach Abwägung ausprobieren möchtest, ist das vertretbar, aber sprich es vorher ärztlich ab, beschränke dich auf einen begrenzten Zeitraum und beobachte, ob sich dein Schlaf und dein Befinden tatsächlich verändern, nicht nur ein Wert.

Magnesium: sinnvoll bei knapper Versorgung

Kurz gesagt

Magnesium ist an vielen Prozessen der Nerven- und Muskelregulation beteiligt. Es trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung sowie zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Wer zu wenig aufnimmt, profitiert davon, die Versorgung zu verbessern. Ohne Mangel ist der Zusatznutzen gering, und eine gezielte Wirkung auf Cortisol ist nicht belegt.

Magnesium steckt in Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen, Samen, grünem Gemüse und Mineralwasser. Wer sich abwechslungsreich ernährt, ist meist ausreichend versorgt. Knapp kann es werden bei sehr einseitiger Ernährung, viel Sport mit starkem Schwitzen, bestimmten Medikamenten wie manchen Entwässerungs- oder Magensäuremitteln und bei Magen-Darm-Erkrankungen.

Ein Versuch über vier Wochen ist vertretbar, weil Magnesium günstig ist und in üblichen Mengen gut vertragen wird. Viele nehmen es abends als Teil der Abendroutine. Zu hohe Dosen führen vor allem zu Durchfall. Bei Nierenerkrankungen gehört die Einnahme in ärztliche Hände, und mit manchen Medikamenten, etwa bestimmten Antibiotika oder Osteoporosemitteln, sollte ein zeitlicher Abstand eingehalten werden.

Omega-3, Vitamin D, B-Vitamine und Kombiprodukte

Auch Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und B-Vitamine werden im Zusammenhang mit Stress diskutiert. Bei allen gilt dasselbe Muster: Ein nachgewiesener Mangel gehört behoben, eine pauschale Einnahme ohne Mangel bringt wenig. Gerade Vitamin D ist im Winter in unseren Breiten oft knapp, und ein Bluttest in der Hausarztpraxis klärt, ob du betroffen bist.

Was du getrost weglassen kannst, sind teure Kombinationsprodukte mit fünfzehn Inhaltsstoffen und dem Wort „adrenal“ im Namen. Sie beruhen auf dem Konzept der Nebennierenschwäche, das sich wissenschaftlich nicht halten lässt. Mehr dazu im Ratgeber Nebennierenschwäche.

Was das Gesetz erlaubt und was das für dich heißt

Für Nahrungsergänzungsmittel gelten in der EU strenge Regeln, was über ihre Wirkung gesagt werden darf. Zulässig sind nur geprüfte gesundheitsbezogene Angaben aus einer offiziellen Liste. Für Magnesium gehören dazu Aussagen wie der Beitrag zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung oder zur normalen Funktion des Nervensystems. Für Ashwagandha gibt es keine zugelassene Angabe zu Stress oder Cortisol.

Das ist eine nützliche Orientierung beim Einkaufen. Wenn ein Produkt verspricht, Cortisol zu senken, Stress zu beseitigen oder Bauchfett schmelzen zu lassen, ist das ein Warnsignal, kein Qualitätsmerkmal. Seriöse Anbieter halten sich an die zugelassenen Formulierungen.

Erst die Basis, dann die Ergänzung

Kurz gesagt

Wer schlecht schläft, sich kaum bewegt, unregelmäßig isst und chronisch unter Strom steht, wird auch mit dem besten Präparat keine Wunder erleben. Die fünf Hebel mit der besten Studienlage kosten fast nichts: Schlaf, Licht, Bewegung, Ernährung und Atmung.

Die Reihenfolge, die das Buch vorschlägt, ist bewusst unspektakulär:

  1. Häufige Ursachen abklären: Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Schlafapnoe, Stimmung und Medikamente.
  2. Den Morgen stellen: feste Aufstehzeit und fünfzehn bis dreißig Minuten Tageslicht.
  3. Den Abend beruhigen: gedimmtes Licht, kurze Routine, Koffeingrenze.
  4. Den Tag stabilisieren: Mahlzeiten mit Eiweiß, Bewegung zur richtigen Zeit.
  5. Das Nervensystem trainieren: fünf Minuten lange Ausatmung pro Tag.
  6. Erst dann, wenn überhaupt: eine gezielte Ergänzung bei nachgewiesenem Bedarf, ärztlich abgesprochen.

Supplemente sind nicht harmlos, und sie sind kein Ersatz für die Grundlagen. Aber sie sind auch kein Tabu. Wer die Basis gelegt hat und dann gezielt und abgesprochen ergänzt, handelt vernünftig. Wer die Basis überspringt, kauft sich meist nur ein gutes Gewissen. Wie die fünf Hebel zusammenspielen, zeigt der Leitfaden Cortisol senken, und wie du im Alltag isst, der Ratgeber Cortisol und Ernährung.

Woran du seriöse Informationen erkennst

Rund um Supplemente ist es schwer, unabhängige Informationen von Werbung zu unterscheiden. Ein paar Prüffragen helfen:

  • Wird ein Laborwert als Lebensqualität verkauft? „Senkt Cortisol um 30 Prozent“ sagt nichts darüber, ob du besser schläfst oder dich ruhiger fühlst.
  • Wer hat die Studie bezahlt? Viele Ashwagandha-Studien wurden von Extraktherstellern finanziert. Das macht sie nicht wertlos, aber es ist ein Grund, auf unabhängige Bestätigung zu achten.
  • Wie groß und wie lang war die Studie? Achtzig Teilnehmende über acht Wochen sagen wenig über die Sicherheit bei Einnahme über Jahre.
  • Werden Risiken genannt? Seriöse Quellen sprechen Leber, Schilddrüse, Schwangerschaft und Wechselwirkungen an.
  • Hängt am Test gleich das Produkt? Ein Speicheltest, dessen Ergebnis genau das Präparat des Anbieters empfiehlt, ist ein Interessenkonflikt.

Wenn du es trotzdem probieren willst

Manche Menschen möchten nach dem Aufbau der Grundlagen gezielt etwas ergänzen. Das ist eine legitime Entscheidung, wenn sie gut vorbereitet ist. Sprich vorher mit deiner Ärztin oder in der Apotheke, besonders über Vorerkrankungen und Medikamente. Wähle ein Produkt mit klarer Angabe zu Extrakt und Dosierung. Begrenze den Versuch auf einige Wochen und führe parallel ein schlichtes Tagebuch über Schlaf, Energie und Stimmung. Und lege vorher fest, woran du einen Nutzen erkennen würdest. Wenn sich nach dem Zeitraum nichts Spürbares verändert hat, ist das eine klare Antwort, und du sparst dir das Geld.

Häufige Fragen

Senkt Ashwagandha Cortisol?

In mehreren randomisierten Studien lagen die gemessenen Cortisolwerte nach einigen Wochen Ashwagandha niedriger als unter Placebo. Beim empfundenen Stress waren die Ergebnisse aber uneinheitlich, und viele Studien sind klein und von Herstellern finanziert. Ein gesenkter Laborwert ist nicht automatisch ein besseres Leben.

Wer sollte kein Ashwagandha nehmen?

Schwangere und Stillende, Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen, Lebererkrankungen oder Autoimmunerkrankungen und alle, die Medikamente nehmen, etwa Schilddrüsenhormone, Beruhigungs- oder Blutzuckermittel, sollten Ashwagandha nur nach ärztlicher Rücksprache oder gar nicht einnehmen.

Hilft Magnesium bei Stress?

Magnesium trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung sowie zu einer normalen Funktion des Nervensystems bei. Wer zu wenig Magnesium aufnimmt, profitiert davon, die Versorgung zu verbessern. Ohne Mangel ist der zusätzliche Nutzen gering. Ein gezielter Effekt auf Cortisol ist nicht belegt.

Wann sollte ich Magnesium einnehmen?

Viele nehmen es abends, weil es gut in die Abendroutine passt. Für die Versorgung ist der Zeitpunkt weniger wichtig als die Regelmäßigkeit. Bei Nierenerkrankungen und bestimmten Medikamenten, etwa manchen Antibiotika oder Osteoporosemitteln, vorher ärztlich abklären.

Gibt es Supplemente, die Cortisol gezielt regulieren?

Für kein frei verkäufliches Präparat ist eine gezielte Regulierung des Cortisolrhythmus belegt. Besonders kritisch sind Kombiprodukte mit vielen Inhaltsstoffen und „adrenal“ im Namen, die auf dem Konzept der Nebennierenschwäche beruhen. Die Hebel mit der besten Studienlage sind Schlaf, Licht, Bewegung, Ernährung und Atmung.

Kann ich Ashwagandha und Magnesium zusammen nehmen?

Grundsätzlich wird das kombiniert angeboten, aber jede Ergänzung bringt eigene Wechselwirkungen mit. Besprich die Kombination vorher in der Apotheke oder ärztlich, besonders wenn du weitere Medikamente nimmst. Und prüfe zuerst, ob du sie überhaupt brauchst: Schlaf, Licht und Bewegung kommen vor jeder Kapsel.

Weiterlesen

Quellen und weiterführende Literatur
  1. Lopresti, A. L. et al. (2019): An investigation into the stress-relieving and pharmacological actions of an ashwagandha (Withania somnifera) extract: A randomized, double-blind, placebo-controlled study. Medicine, 98(37), e17186.
  2. Akhgarjand, C. et al. (2022): Does Ashwagandha supplementation have a beneficial effect on the management of anxiety and stress? A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Phytotherapy Research, 36(11), 4115-4124.
  3. National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases: LiverTox, Eintrag Ashwagandha. Bethesda: National Institutes of Health.
  4. Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission vom 16. Mai 2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger anderer gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. Amtsblatt der Europäischen Union, L 136, 1-40.
  5. Cadegiani, F. A. & Kater, C. E. (2016): Adrenal fatigue does not exist: a systematic review. BMC Endocrine Disorders, 16, 48.